Dokumentation http://bayern.rosalux.de/ Hier finden Sie unsere Dokumentationen. de Copyright Sun, 19 Nov 2017 07:41:34 +0100 Sun, 19 Nov 2017 07:41:34 +0100 TYPO3 Dokumentation http://bayern.rosalux.de/fileadmin/sys/resources/images/dist/logos/logo_rss.jpg http://bayern.rosalux.de/ 144 109 Hier finden Sie unsere Dokumentationen. news-38042 Mon, 06 Nov 2017 16:01:25 +0100 Gemeinsam stark! http://bayern.rosalux.de/dokumentation/id/38042/ Gewerkschaftspolitische Herausforderungen nach der Bundestagswahl | Bericht zur Aktionskonferenz Etwa 180 Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter diskutierten auf der gewerkschaftspolitischen Aktionskonferenz «Gemeinsam stark!» von Rosa-Luxemburg-Stiftung und der Bundestagsfraktion DIE LINKE am 20. Oktober in Kassel über die Kräfteverhältnisse nach der Bundestagswahl.

Die gewerkschaftspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion DIE LINKE, Jutta Krellmann, begrüßte die Versammelten: «Lasst uns gemeinsam über die Durchsetzungsperspektiven für die Themen der Beschäftigten unter einer Jamaika-Koalition diskutieren». Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter könnten sich auf die Unterstützung der Fraktion in ihren Arbeitskämpfen verlassen.

«Gewerkschaften müssen auch das große Ziel einer grundlegenden Veränderung verfolgen», stellte Sybille Stamm aus dem Vorstand der Rosa-Luxemburg-Stiftung in ihrem kurzen Eingangsstatement klar, in dem sie die schleichende Entpolitisierung der Gewerkschaften kritisierte. Sie warb dafür, das politische Mandat offensiv zu nutzen und weitere Schritte der gewerkschaftlichen Erneuerung zu gehen.

Nicole Mayer-Ahuja, Direktorin am Soziologischen Forschungsinstitut Göttingen, referierte über die jahrelange Deregulierung des Arbeitsmarktes unter anderem durch die Maßnahmen der Agenda 2010 unter der Regierung Schröder/Fischer. Sie betonte die Notwendigkeit einer Leitidee für eine neue Regulierung im Sinne der Beschäftigten. Ein so verstandenes Konzept eines «neuen Normalarbeitsverhältnisses» könne eine wichtige strategische Perspektive für die Gewerkschaften bieten und als Klammer verschiedener Kämpfe fungieren.

In der Debatte nahmen viele TeilnehmerInnen positiv Bezug auf diese Leitidee und unterfütterten und ergänzten sie mit eigenen Erfahrungen. Als Leerstelle wurde dagegen vor allem das Thema Ökologie genannt, das verstärkt von der LINKEN und den Gewerkschaften aufgegriffen werden müsse.

In Arbeitsgruppen zu den Themen Rente, Arbeitszeitverkürzung, prekäre Beschäftigung, Ausbau öffentlicher Daseinsfürsorge und Umgang mit Rassismus in Betrieb und Gewerkschaft wurden konkrete Handlungsperspektiven diskutiert. Verschiedene Anregungen für die Arbeit der Fraktion DIE LINKE in der kommenden Legislaturperiode gingen aus den Arbeitsgruppen hervor. Insbesondere wichtig war den Kolleginnen und Kollegen der politische Einsatz der Fraktion für eine Änderung des gesellschaftlichen Klimas,  um langfristig die Privatisierungen der Altersvorsorge und öffentlicher Dienstleistungen rückgängig zu machen, eine verkürzte Vollzeit als Rechtsanspruch durchzusetzen, Tarifflucht zu erschweren und eine Allgemeinverbindlichkeit von Tarifverträgen zu erreichen. Besonders groß war der Bedarf nach Austausch zum Kampf gegen Rassismus und die AfD. Hier wurde von der Linksfraktion ein entschiedenes Auftreten gegenüber der AfD eingefordert, der im Parlament ebenso wie in den Betrieben entschlossen begegnet werden müsse.

Abschließend moderierte Ulrike Eifler vom DGB Südosthessen eine Podiumsrunde zu der Frage, wie gewerkschaftliche und politische Kämpfe verbunden werden können.

Bernd Riexinger, Vorsitzender der Partei DIE LINKE und frischgewählter Abgeordneter des Bundestages, plädierte angesichts der Oppositionsrolle der SPD dafür, verstärkt auf die WählerInnen und  Mitglieder der SPD zuzugehen, ihnen gemeinsame Aktivitäten vorzuschlagen und sie - und wenn möglich auch die SPD - in gemeinsamen sozialen Auseinandersetzungen wieder nach links zu ziehen. Er machte an Beispielen aus prekären Bereichen klar, dass eine grundsätzliche politische Wende nicht allein auf dem Feld der Tarif- und Betriebspolitik erstritten werden könne. Er plädierte dafür, das politische Mandat der Gewerkschaften offensiv für eine gesellschaftliche Auseinandersetzung für ein neues Normalarbeitsverhältnis mit abgesicherten Arbeitsplätzen und einer kürzeren Vollzeit zu nutzen.  Gerade für Branchen, in denen nur noch eine Minderheit der Beschäftigten von Tarifverträgen erfasst wird, müsse ein gemeinsamer Kampf von Gewerkschaften und der politischen Linken um eine Allgemeinverbindlichkeitserklärung von Tarifverträgen geführt werden. Der stellvertretende Vorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW, Andreas Keller, betonte die Notwendigkeit eines Ausbaus und der ausreichenden Finanzierung der öffentlichen Daseinsvorsorge und des Bildungsbereichs. Dafür brauche es einen starken DGB, um gesellschaftliche Forderungen, die alle angehen, zusammen zu bringen und zu vertreten.

«Wir können als Gewerkschaften nur glaubwürdig auf der Straße demonstrieren wenn wir Kraft in den Betrieben haben», betonte Hans-Jürgen Urban aus dem Vorstand der IG Metall. Sonst habe man nicht die Wucht, die gebraucht werde. Im Umgang mit der AfD plädierte er für eine «Doppelstrategie von klarer Kante und offener Tür»: Gegenüber organisierten Nazis müssten die Gewerkschaften eine klare Kante zeigen. Aber all denen, die in erster Linie mit den Verhältnissen unzufrieden sind, müsse das Angebote gemacht werden, berechtigte Kritik an dieser Gesellschaft nach links und nicht nach rechts aufzulösen. Dabei gehe es nicht um inhaltliche Zugeständnisse, sondern um glaubwürdige, auch machtpolitische Alternativen von links. Als einzigen progressiven Anknüpfungspunkt in der Flüchtlingsfrage bezeichnete er die zivilgesellschaftliche Refugees-Welcome-Bewegung. Sie müsse durch Perspektiven einer echten Integration Geflüchteter in den Arbeitsmarkt unterstützt werden.

Nach intensiver Analyse der voraussichtlich anstehenden Regierungskoalition und einer kontroversen Debatte über die fehlende Machtoption der LINKEN beendete Andreas Keller die Podiumsrunde mit einem optimistischeren Ausblick. Er halte die Macht im Sinne einer Regierungsbeteiligung für teilweise überbewertet denn «der Widerstand sozialer Bewegungen ist unter konservativen Regierungen oftmals viel größer».

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news-38037 Mon, 06 Nov 2017 00:00:00 +0100 Der Begriff der Arbeit in Karl Marx' «Kapital» http://bayern.rosalux.de/dokumentation/id/38037/ Livestream-Mitschnitte der drei Abendpodien im Rahmen der 10. Marx-Herbstschule 2017 Karl Marx' «Das Kapital» feiert 2017 seinen 150. Geburtstag. 2018 folgt der 200. Geburtstag von Marx selbst. Der Fokus der Marx-Herbstschule lag diesmal auf dem Begriff, der wie kein anderer sowohl Marx' Kapital als auch die Geschichte des Marxismus beherrscht: Arbeit.

Der Arbeitsbegriff zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Entwicklung des ersten Bandes, ausgehend vom «Doppelcharakter» der Arbeit, dem «Springpunkt, um den sich das Verständnis der politischen Ökonomie dreht», über die kapitalistische Anwendung, Verwertung und Ausbeutung der Arbeitskraft und ihre Kämpfe bis hin zum historischen Ursprung der kapitalistischen Lohnarbeit durch die sog. «Ursprüngliche Akkumulation».

Die Arbeitsgruppen diskutierten tagsüber Passagen zum Arbeitsbegriff aus dem Kapital gemeinsam in textnaher Lektüre. Mit drei großen Abendveranstaltungen wurde mit vielen internationalen Gästen die neuen Kapital-Lektüren der 1960er Jahre, aber auch die Kritiken, die ab den 70er Jahren am Kapital, an Marx und am Marxismus geübt wurden, betrachtet.

Der Bezug auf die Arbeit hat zunächst die Geschichte des klassischen Marxismus beherrscht: in Gestalt der großen sozialdemokratischen, sozialistischen und kommunistischen Massenparteien und -organisationen, in Form der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegungen, aber auch in der Gestalt der sozialistischen Arbeiterstaaten. Sie alle formulierten in Theorie wie Praxis eine Politik buchstäblich im Namen der Arbeit.

Allerdings gab es auch eine eher untergründige Strömung, die sich vor allem auf Marx‘ Kritik der Arbeit und die Abschaffung und Überwindung der kapitalistischen Lohnarbeit und der Klasse berief. Diese kritische Bestimmung der Arbeit wurde vor allem im Zuge der neuen Kapital-Aneignungen um 1968 wirksam. Allerdings richtete sich die Kritik auch auf das Kapital selbst: Marx habe sich zu stark auf das Industrieproletariat und die Produktion fixiert und die Bedeutung der Bereiche der gesellschaftlichen Reproduktion – Alltagskultur, Ideologie, Geschlechterverhältnisse etc. – zu wenig berücksichtigt.

Die drei Abendveranstaltungen waren daher zunächst den neuen Kapital-Lektüren gewidmet, dann den Kritiken und schließlich der Bedeutung der Reproduktion und dem Zusammenhang von biologischer Reproduktion und ökonomischer Krise.

Die Diskussionen wurden live gestreamt, hier können die Aufzeichnungen nachgeschaut werden.

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news-38018 Mon, 30 Oct 2017 20:10:47 +0100 Preisdruck und Arbeitsbedingungen in Agrarlieferketten http://bayern.rosalux.de/dokumentation/id/38018/ Delegation der südafrikanischen Gewerkschaft CSAAWU zu Besuch Löhne unter dem Existenzminimum, mangelhafte Unterkünfte, aggressive Verhinderung gewerkschaftlicher Organisierung – die Arbeits- und Lebensbedingungen von LandarbeiterInnen im Westkap in Südafrika sind hart. Arbeitsbeziehungen, die an Apartheidszeiten erinnern, sind Realität inmitten einer Exportregion, die versucht den europäischen Markt zu erobern. 

Die Delegation der Gewerkschaft CSAAWU unternahm im Oktober eine Vernetzungsreise nach Deutschland, Dänemark und Spanien, unterstützt von der Rosa Luxemburg Stiftung, KASA und Brot für die Welt. Ziel war es, sich mit Gewerkschaften und Zivilgesellschaft in diesen Ländern zu vernetzen, um Druck aufzubauen auf europäische Importeure, die den günstigen südafrikanischen Wein schätzen, mit niedrigen Abnehmerpreisen jedoch zum Druck auf Arbeitslöhne beitragen. 

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news-37395 Tue, 24 Oct 2017 17:15:00 +0200 «Q» http://bayern.rosalux.de/dokumentation/id/37395/ Die Szenische Lesung des Bestsellers von Luther Blissett, inszeniert von Thomas Ebermann und Berthold Brunner, wird ab 24.10. Deutschlandweit aufgeführt.

Ich will alles festhalten, von Anfang an – bevor die Jahre den Blick, der sich zurückwendet, trüben. Bevor sie den Lärm der Stimmen und Waffen dämpfen, das Lachen und die Schreie…

Mit diesen Worten verkündet der Erzähler bereits zu Beginn der Szenischen Lesung seine Intention. Er möchte schonungslos die aufreibenden Geschichten erzählen, die er zwischen 1517 und 1555 erlebt hat.

Thomas Ebermann und Berthold Brunner inszenierten im Auftrag der Rosa-Luxemburg-Stiftung anlässlich des Reformations-Jubiläums und als Beitrag zum Kirchentag eine szenische Lesung auf Grundlage des Romans «Q» von Luther Blissett. Es ist deutschlandweit der erste Versuch, die Themen des 800-seitigen historischen Thrillers auf einer Theaterbühne darzustellen. Die Premiere besuchten am 22. Mai 2017 im Festsaal Kreuzberg rund 250 Zuschauende.

Bevor die zweieinhalbstündige szenische Lesung beginnt, betritt Thomas Ebermann die Bühne. Mit seiner tiefen, ruhigen Stimme erklärt er den aufmerksamen Zuschauer*innen die Besonderheiten des  Werkes. Im Gegensatz zu dem Roman gibt es beispielsweise die zentrale Frauenrolle Beatriz, welche sich nicht davor scheut, kritische Bemerkungen zu äußern. Diese Frauenrolle, gespielt von Ruth Marie Kröger, soll auch den Zuschauer*innen dabei helfen, den Geschehnissen auf der Bühne besser folgen zu können.

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news-37941 Thu, 12 Oct 2017 12:58:21 +0200 Harte Fragen zum Frieden http://bayern.rosalux.de/dokumentation/id/37941/ Off-University startet erfolgreich mit Online-Konferenz Als Reaktion auf die staatliche Repression gegen Akademiker*innen in der Türkei hat die Initiative Off-University vom 7. bis 15. Oktober eine Online-Konferenz mit dem Titel «Harte Fragen zum Frieden» organisiert. Alle wissenschaftlichen Beiträge werden über eine Web-Plattform als Video auf Türkisch, Englisch und Deutsch angeboten, sodass Wissenschaftler*innen und Studierende, die nur eingeschränkte Reisefreiheit genießen, online an der Konferenz teilnehmen können.

Die Initiative Off-University mit einem Zentrum in Deutschland wurde von und für Wissenschaftler*innen aus der Türkei ins Leben gerufen, um neue und emanzipatorische Formen der Lehre und Forschung zu schaffen. Die «Off-University» richtet sich an Akademiker*innen aus aller Welt, die entlassen, gekündigt, juristisch oder politisch verfolgt oder inhaftiert wurden sowie solchen, die gegen die Repressionen solidarisch Stellung beziehen. Mit der Konferenz will die Initiative die internationale wissenschaftliche Öffentlichkeit für die Situation in der Türkei weiter sensibilisieren und einen interdisziplinären Dialog zum Thema Frieden anstoßenAuf der Homepage heißt es: «Die Konferenz stellt die Frage, wie Frieden in polarisierten und konfliktreichen Gesellschaften geschaffen werden kann, wenn die Faktoren Aufrüstung und Konflikt den Planeten und alle Lebewesen einschließlich der Menschheit massiv gefährden. Die sichtbaren und unsichtbaren Formen von Gewalt, strukturelle Diskriminierung und Formen der Marginalisierung sollen diskutiert, vor allem die grundsätzlichen Strukturen und Diskurse, die notwendig sind um Frieden herzustellen, eruiert werden und in diesem Zusammenhang auch die Verantwortung zur Sprache kommen, die Disziplinen und Wissenschaftler*innen dabei zukommt».  

Die Konferenz wurde mit einer Podiumsdiskussion zum Thema «Von der großen Sprachlosigkeit? – Wissenschaft, Kunst und Journalismus gegen den Krieg» am 7. Oktober 2017 in der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin eröffnet. Moderiert von İmran Ayata (Autor und Campaigner) diskutierten Yavuz Baydar (Journalist und Mitbegründer von P24, einer Plattform über die unabhängige Medien in der Türkei den Medienbereich beobachten), Ayham Majid Agha (Theatermacher am Maxim Gorki Theater Berlin und Absolvent der renommierten Hochschule für Darstellende Künste in Damaskus) und Prof. Dr. Christoph K. Neumann (Vorsitzender des Vereins Off-University, Organisation für den Frieden e.V. und Professor für Türkische Studien an der LMU München). Prof. Dr. Ayşe Erzan (Physikerin und Aktivistin der türkischen Friedensbewegung Barış Bloku) wurde live aus Istanbul dazu geschaltet. Die Gruppe O' Personal begleitete den Abend musikalisch.

Die Online-Konferenz «Harte Fragen zum Frieden» läuft bis zum 15. Oktober 2017. Die Teilnahme an der Konferenz ist kostenlos. Für Präsentierende, die ihren Beruf aus politischen Gründen kürzlich verloren haben, plant die Off-University finanzielle Unterstützung anzubieten.

Die Rosa-Luxemburg-Stiftung unterstützt die Initiative Off-University.
 

Weitere Informationen

Homepage der Off-University und Plattform der Konferenz

Die «Off-University»: Eine Online-Uni für entlassene türkische Forscher
5.10.2017, Deutsche Welle

Türkische Akademiker gründen im Exil Online-Universität
9.10.2017, Deutschlandfunk

Off-University bei Artı Akademi
22.09.2017, Artı TV

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news-37896 Thu, 28 Sep 2017 15:17:16 +0200 (Online) Culture Wars - Was tun gegen reaktionäre Rollbacks? http://bayern.rosalux.de/dokumentation/id/37896/ Angela Nagle, Laurie Penny und Felix Klopotek über rechte Kulturkämpfe.  

In den westlichen Gesellschaften grassiert der Rechtspopulismus. Er schafft es punktuell, wie die Brexit-Entscheidung und die Wahl von Donald Trump zeigen, auch mehrheitsfähig zu sein. Befeuert wird dieser Rechtsruck von Kulturkämpfen gegen Gleichstellungspolitik(en), Antirassismus, vermeintliche Einschränkung der Meinungsfreiheit durch «Political Correctness» und Liberalisierungen in der Wahl der individuellen Lebensmodelle. Dieser reaktionäre Kulturkampf findet vor allem im Internet statt, wird aber auch gewalttätig auf der Straße ausgetragen, wie in Charlottesville (USA) beim Auto-Attentat auf antirassistische Gegendemonstranten zu sehen war.

Über den rechten Kulturkampf der Identitären in Europa sowie der Alt-Rights in den USA und über Figuren wie den Blogger Milo Yiannopoulos haben wir mit den Buchautorinnen Laurie Penny und Angela Nagle sowie dem konkret-Autor Felix Klopotek gesprochen.

Wir haben erörtert, ob und welche Fehler die Linken an den Universitäten und in den Feuilletons begangen haben, weil wir oft so sprachlos diesem Internet-Hass gegenüber stehen. Wie weit soll Meinungsfreiheit im Netz gehen? Was sind linke, antirassistische und feministische Gegenstrategien gegen den reaktionären Rollback und Rechtspopulismus?

Die Veranstaltung in der Reihe «Junge Panke» war eine Kooperation von Helle Panke mit dem Verlag Edition Nautilus, dem Missy Magazin und der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

 

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news-37795 Wed, 13 Sep 2017 13:36:40 +0200 Gagarins Vermächtnis http://bayern.rosalux.de/dokumentation/id/37795/ Ausstellung und Veranstaltungen zu Beginn, Erinnerung und Visionen der Raumfahrt Mehr als ein halbes Jahrhundert ist vergangen, seit Juri Gagarin am 12. April 1961 die Erde umrundete - und noch immer versteht es der erste Mensch im All zu faszinieren. Zu erleben war das bei der Eröffnung der Ausstellung «Gagarins Vermächtnis» im Foyer des Rosa-Luxemburg Stiftung wie auch bei der anschließenden Podiumsdebatte im Münzenberg-Saal am 4. September 2017.

Gerade einmal 60 Jahre liege mit dem Sputnik-Start der Beginn der Weltraumfahrt zurück, erinnerte die Vorsitzende der Rosa-Luxemburg-Stiftung, Dagmar Enkelmann, bei der Ausstellungseröffnung. In dem historisch gesehen kurzen Zeitraum habe die Menschheit einen «dramatischen Sprung» vollzogen. Heute erscheine ein Flug in All beinahe als normal.

Der Weltraum fasziniere die Menschen, seit es diese auf der Erde gibt, sagte Enkelmann weiter. Die Erforschung des Alls habe unseren Blick und unser Wissen von der Erde wie auch das über andere Planeten und Sterne deutlich verändert. «Es sind qualitativ neue Möglichkeiten entstanden - für Wetterbeobachtungen und -vorhersagen, für Navigation, TV-Übertragungen und vieles andere mehr.»

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news-37761 Tue, 05 Sep 2017 10:21:26 +0200 Der Kampf um Demokratie am Arbeitsplatz http://bayern.rosalux.de/dokumentation/id/37761/ Basisgewerkschaften aus unterschiedlichen Ländern tauschen sich auf dem G20 Alternativgipfel in Hamburg aus.  

Etwa 100 interessierte besuchten am 5. Juli beim G20-Alternativgipfel (Gipfel der globalen Solidarität) den Workshop «Der Kampf um Demokratie am Arbeitsplatz - Beiträge von internationalen Basisgewerkschaften», der von der Rosa-Luxemburg-Stiftung und ver.di, Ortsverein Hamburg, FB 8, angeboten wurde. Auf dem von Lars Stubbe (ver.di FB 08, Hamburg) moderierten Podium diskutierten Vertreter*innen aus Frankreich, Argentinien, Indien und Deutschland.

Vereine Angeli, Solidairs-SUD (Frankreich), berichtete: «Der Arbeitsplatz ist erstmal kein Ort der Demokratie, sondern der Ausbeutung und Macht. Oft wird uns gesagt, Arbeiter und Unternehmer müssten Partner sein. Aber so ist es nicht! Zugleich kann der Arbeitsplatz aber auch ein Ort konkreter Demokratie werden. Deshalb tritt unsere Gewerkschaft für direkte Demokratie im Betrieb ein, etwa durch Vollversammlungen der Beschäftigten, und den Aufbau von Netzwerken innerhalb der Konzerne. Um wirklich handlungsfähig zu sein, müssen wir solche Vernetzungen verstärkt auf der internationalen Ebene vorantreiben. Gleichzeitig unterstützen wir Ansätze tatsächlich demokratischer Betriebsformen, etwa durch den Aufbau von Genossenschaften und Kooperativen».

Sie schilderte auch die drohenden Angriffe der neuen französischen Regierung auf das Arbeitsrecht und insbesondere das Streikrecht im öffentlichen Dienst. Auch gegen traditionelle Aktionsformen der Arbeiterbewegung zeichne sich ein immer repressiveres Vorgehen des Staates ab.

Ähnlich wie in Deutschland sei die Beschäftigtenlandschaft zunehmend fragmentiert, zwischen Kernbelegschaften und Leih- und Werkvertragsarbeiter*innen, zwischen be- und entfristeten Kolleg*innen.

Ashim Roy von der New Trade Union Initiative NTUI (Indien) schilderte: «Leider wird Demokratie nicht immer als fundamentales Prinzip innerhalb der Gewerkschaftsbewegung gesehen. Wir hatten in Indien lange Zeit recht fortschrittliche Arbeitsgesetze, die auch gewisse Elemente von Demokratie beinhalteten. Aber es gab schon immer große Spannungen zwischen formalisierten und den informellen Arbeitsverhältnissen. Die informellen haben in der letzten Zeit massiv zugenommen, und stellt Gewerkschaften vor große Herausforderungen. Wir versuchen daher verstärkt, auch in den Stadtteilen zu organisieren, und den Graben zwischen formellen und informellen Beschäftigten zu überwinden. Der Kampf um Demokratie in Ländern wie Indien ist aber immer auch ein Kampf um ökonomische Souveränität gegen die Übergriffe der multinationalen Konzerne, insbesondere in Bezug auf Lebensmittel. Gewerkschaften müssen Teil von Kämpfen um Demokratie sein - und Demokratie muss immer ein Teil der Gewerkschaften sein. Wir können keine echte Demokratie aufbauen, solange unsere Gewerkschaften nicht selbst demokratisch sind, und solange sie kein demokratisches Verhältnis zu sozialen Bewegungen haben.»

Jose Villa von der Metallarbeitergewerkschaft UOM – CGT (Argentinien) arbeitet in einer Fabrik eines wichtigen multinationalen Metall-Konzerns. Er erzählte:

«Das zentrale Element der Demokratie in einem Betrieb ist für uns die Versammlung der Arbeiter selbst, die dort selbst über ihre Interessen und Ziele diskutieren. Für uns sind diese Versammlungen der wichtigste Souverän. Wir können keine Abkommen mit dem Unternehmen schließen, ohne dass die Kolleg*innen darüber diskutiert und entschieden haben. Jede Gewerkschaft braucht einen Apparat, und wohl auch einen Generalsekretär. Das entscheidende ist aber, dass die Beschäftigten in den Betrieben selbst die Gewerkschaft sind, und an allen wichtigen Entscheidungen beteiligt werden müssen.

Wir sehen aber, wie die Arbeiterklasse auf der ganzen Welt unter immer schlechteren Bedingungen leidet. Bei uns war es die neoliberale Regierung Menem, die viel dazu beitrug. Sie hat die Prekarisierung vorangetrieben, mit immer mehr befristeten Arbeitsverhältnissen. Dagegen müssen wir die Solidarität der Metallarbeiter*innen setzen, auf nationalem wie auf internationalem Level.»

Ezequiel Roldan, Generalsekretär der Gewerkschaft  Aceiteros – CGT (Gewerkschaft der Soja-/Oliven-Ölarbeiter*innen, Argentinien) berichtete: «Oft kollidiert bei uns die Demokratie in der Fabrik, die Demokratie der Vollversammlungen, mit der Bürokratie der Gewerkschaften. Seit die neoliberale Regierung Macri im Amt ist, nehmen die Angriffe und die Repression gegen die Arbeiterbewegung zu. Wir verstärken dagegen unsere Demokratie der Vollversammlungen, um die Kolleg*innen zu mobilisieren. Eine wichtige Mobilisierung ist für uns gegenwärtig die für einen höheren Mindestlohn. Gegen das Bündnis aus multinationalen Konzernen und Regierungen hilft den Arbeiter*innen nur der Kampf.» Sein Kollege Carlos Zamboni, ein Ölarbeiter, schilderte, wie seine Generation, die Jüngeren, nie etwas anderes als einen de-regulierten Arbeitsmarkt kennengelernt hatten: «Auch bei uns ist die Arbeiterklasse immer stärker fragmentiert, nehmen die prekären Beschäftigungsverhältnisse zu. Immer mehr Arbeiter haben gar keinen richtigen Arbeitsverträge mehr. In den letzten 15 Jahren mussten wir Formen der Organisierung und des Kampfes lernen und uns neu aneignen, die zwischenzeitlich in Vergessenheit geraten waren. Ein wichtiges Element darin ist die Demokratie der Vollversammlungen auf Fabrikebene. Aber ohne Streiks kann es auch keine echte Demokratie im Betrieb und in der Gewerkschaft geben. Der Streik ist die wichtigste Schule der Demokratie, und auch deshalb müssen wir das Streikrecht mit allen Mitteln verteidigen!»

Michael Fütterer von TIE, einem internationalen Basis-Gewerkschafternetzwerk (Deutschland), führte aus: «Wir sind in Industrienetzwerken aktiv, etwa im Textilbereich in Indien, Sri Lanka und Bangladesh, wo sich Kolleg*innen direkt untereinander über Strategien und Erfahrungen austauschen. Aber wir organisieren uns im Exchains-Netzwerk auch entlang der globalen Wertschöpfungsketten und versuchen, die Näherin in Bangladesh mit der H&M-Verkäuferin zusammenzubringen.

Häufig gibt es im Textilbereich internationale Kampagnen, die zwar das Elend der ArbeiterInnen aufgreifen und skandalisieren, aber die Handlungsperspektiven komplett in den globalen Norden verlegen, wo Gewerkschaften sich für ihre KollegInnen im Süden einsetzen sollen. Wir wollen dagegen echte Solidarität organisieren, die beidseitig funktioniert, und in der den KollegInnen aus dem Süden keine passive, sondern eine sehr aktive Rolle einnehmen.

Ein anderes Feld, auf dem wir arbeiten, ist das Thema Gesundheit und Arbeit. Unser Gewerkschaftsnetzwerk versucht zum Beispiel zu vermitteln, dass Erkrankungen ihre Ursachen oft im Arbeitsprozess und in der Ausbeutung haben, und damit auch kollektiv bearbeitet werden müssen. Wir wollen Wissen vermitteln, damit die KollegInnen an ihrem Arbeitsplatz für gute Arbeit kämpfen können. Dazu versuchen wir, praktische Werkzeuge zu vermitteln, wie Kämpfe um gute Arbeit und möglichst gesunde Arbeitsbedingungen geführt werden können. Gewerkschaftliche Arbeit muss daher immer auch über reine Lohnkämpfe hinausgehen.»

Es folgten eine Reihe von Nachfragen aus dem Publikum, die den Referent*innen die Möglichkeit zur Vertiefung verschiedener Aspekte gaben.

Eine gelungene Veranstaltung.

Florian Wilde

Mehr zu den RLS-Veranstaltungen auf dem Alternativgipfel

Presseschau:

 

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news-37665 Sat, 05 Aug 2017 10:48:25 +0200 Being queer in South Africa http://bayern.rosalux.de/dokumentation/id/37665/ Gespräch und Konzert mit den LGBTIQA Künstler*Innen UMLILO und Stash Crew aus Südafrika

Was bedeutet es eigentlich queer zu sein? Im südafrikanischen Kontext bekommt die queere Lebensphilosophie eine ganz besondere Relevanz.

Diesen Sommer waren Joni Barnard, UMLILO and Whyt Lyon, drei interdisziplinäre, südafrikanische Avantgarde Künstler*Innen und Musiker*Innen auf Einladung der Rosa-Luxemburg-Stiftung zu Gast in Berlin. Im Gespräch mit uns erzählen sie sehr persönlich was es heißt, als queere aber gleichzeitig Schwarze oder Weiße Person in Südafrika zu leben. Sie üben Kritik an der Heteronormativität, auch in der eigenen Community und sprechen über das Konzept von Intersektionalität und den transformatorischen Ansatz queerer Lebensweisen.

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news-37746 Sun, 23 Jul 2017 14:57:00 +0200 Neue Arbeit, neue Widerstände? http://bayern.rosalux.de/dokumentation/id/37746/ Arbeitskämpfe und Prekarität im digitalen Kapitalismus Welche neuen Arbeitsformen entstehen in einem digitalen Kapitalismus? Wie setzen sich Ausbeutungsverhältnisse fort? Und welche Widerstände dagegen ergeben sich? Diesen Fragen ging die studentische Tagung «Neue Arbeit, neue Widerstände?» nach, die vom 21. bis 23. Juli 2017 an der Humboldt Universität Berlin stattfand.

Mit einem Blick auf Arbeit in Internetplattformen (Mechanical Turk, Upwork), auf die sogenannte «Gig»- und «Sharing»-Ökonomie (Deliveroo, Helpling, Airbnb) sowie auf digitalisierte Industrie (Amazon, Foxconn) werden neue Formen der Arbeit und deren Kontroll- und Ausbeutungsmechanismen beleuchtet. Dabei wurden Möglichkeiten von neuen und alten Widerständen diskutiert.
 


Eine Kooperationsveranstaltung vom studentischen Projektutorium «Arbeitskämpfe im digitalen Kapitalismus» an der HU Berlin und der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

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