Dokumentation http://bayern.rosalux.de/ Hier finden Sie unsere Dokumentationen. de Copyright Thu, 20 Jul 2017 18:56:46 +0200 Thu, 20 Jul 2017 18:56:46 +0200 TYPO3 Dokumentation http://bayern.rosalux.de/fileadmin/sys/resources/images/dist/logos/logo_rss.jpg http://bayern.rosalux.de/ 144 109 Hier finden Sie unsere Dokumentationen. news-37621 Wed, 19 Jul 2017 11:04:46 +0200 Macht.Mode.Menschen. http://bayern.rosalux.de/dokumentation/id/37621/ Das erste politische Sommerpicknick der Rosa-Luxemburg-Stiftung - Konsument*innen, Expert*innen, Aktivist*innen im Gespräch Welche Rolle kann SOLIDARITÄT im global hart umkämpften Geschäft mit der Mode spielen? Was bedeutet es, als Konsument*in Macht zu haben? Wie sieht diese Macht aus, wie kann sie kritisch genutzt werden? Kann SOLIDARITÄT im Geschäft der Mode WELT verändern? Von der Rohstoffgewinnung bis zum Nähgarn, vom Design zur Produktion bis zur Vermarktung, vom Shoppen, Tragen bis zur Entsorgung oder Weiterverwendung? Kann Solidarity zum neuen Must Have der Mode werden?

Das erste Sommerpicknick der Rosa-Luxemburg-Stiftung nimmt in Workshops, Gesprächen, Aktionen mit Expert*innen, Aktivist*innen und kritischen Konsument*innen die ökonomischen, macht- und wirtschaftspolitischen, aber auch die kulturellen Verhältnisse der Produktion unserer Kleider kritisch in den Blick. Welche Möglichkeiten ökologisch und sozial nachhaltig gestalteter Verantwortung von Entscheidungsträger*innen, Designer*innen, Produzent*innen und Träger*innen gibt es?

Seit Jahren setzen sich Aktivist*innen, Initiativen und Organisationen mit wachsendem Erfolg für Veränderungen ein. Das wollen wir feiern und kritisch diskutieren. 10 Stunden volles Programm am Moritzplatz in Berlin-Kreuzberg. Drinnen und Draußen – Informieren, Orientieren, Diskutieren: Mitnähen am Wandel. Mode, Macht und Menschen.

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news-37600 Fri, 14 Jul 2017 15:14:00 +0200 Die Kunst mit der Klinke http://bayern.rosalux.de/dokumentation/id/37600/ Ausstellung zum Wettbewerb Kunst am (Neu)Bau der Stiftung Im Mai 2016 hatte die Rosa-Luxemburg-Stiftung den Siegerentwurf beim Architekten-Wettbewerb um den Neubau des Stiftungsgebäudes gekürt. Ein reichliches Jahr später kann sich das kommende Gebäude unweit des Berliner Ostbahnhofs mit einem weiteren Wettbewerbssieger «schmücken»: Die Arbeit «262 Klinken» gewann den ersten Preis beim Wettbewerb zur Kunst am (Neu)Bau der Stiftung. Der Wettbewerb war deutschlandweit offen ausgeschrieben worden.

Vorgestellt wurden die Kunst-am-Bau-Sieger am Dienstag (11. Juli 2017) bei einer Vernissage in der ersten Etage des derzeitigen Stiftungssitzes am Berliner Franz-Mehring-Platz. Präsentiert wurde dabei nicht nur das Siegerkonzept, sondern bis zum 21. Juli können sich Besucher und Interessierte alle 89 eingereichten Arbeiten ansehen.

Bei der Eröffnung der Vernissage erinnerte sich die Vorstandsvorsitzende der Rosa-Luxemburg-Stiftung, Dr. Dagmar Enkelmann, an den Moment, als sie den Siegerentwurf Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stiftung vorstellte. Für ihre Bemerkung, dass es um Klinken gehe, hätte sie erst einmal auch erschrockene Blicke geerntet - was hätten denn Klinken mit Kunst zu tun?

Als Antwort hatte Enkelmann bei der Vernissage jede Menge Sprachbilder parat. Um Mittel von ihren Zuwendungsgebern zu erhalten, müsste die Stiftung oft «Klinken putzen gehen». Auch geben sich die Besucher, wenn sie zu Veranstaltungen kämen oder dem Haus ihre Projekte vorstellten, buchstäblich die «Klinke in die Hand» - und selbst in ihrem Büro wäre das öfter so, bekannte die Vorstandsvorsitzende. Und schließlich wolle die Stiftung mit ihrer Arbeit im In- und Ausland im Sinne des Wortes Türen öffnen.

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news-37602 Fri, 07 Jul 2017 10:25:00 +0200 Vom Ende der Geschichte her http://bayern.rosalux.de/dokumentation/id/37602/ Walter Benjamins geschichtsphilosophische Thesen Herausgeber Thomas Schröder und Jonas Engelmann stellten in Berlin einen Sammelband zu Benjamins Thesen vor. Die Beiträge von Gerard Raulet, Marcus Hawel, Caroline Heinrich, Thomas Schröder, Richard Faber und Gregor Wedekind beschäftigen sich mit der historischen Entstehung des Textes, den Korrespondenzen zwischen Benjamin und Freud, den kunstgeschichtlichen Aspekten von Klees Bild, der politischen Dimension von Benjamins Thesen und vielem mehr.

Vom Ende der Geschichte her
Walter Benjamins geschichtsphilosophische Thesen

Thomas Schröder / Jonas Engelmann (Hg.)
Ventil Verlag, Broschur, 216 Seiten
29. April 2017, 16,00 €(D)
ISBN 978-3-95575-075-6

Zur Ankündigung

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news-37598 Sat, 01 Jul 2017 11:36:00 +0200 Transatlantische Anarchisten und Sozialisten im 19. und 20. Jahrhundert http://bayern.rosalux.de/dokumentation/id/37598/ Internationale Tagung in Würzburg Während transatlantische Netzwerkgeschichten in den Geschichtswissenschaften an Interesse gewonnen haben, sind viele Perspektiven auf solche, besonders im Hinblick auf Anarchisten und Sozialisten des langen 19. und kurzen 20. Jahrhunderts, bisher noch nicht ausreichend untersucht worden. Im Mittelpunkt einer zweitägigen Tagung in Würzburg, die von Prof. Dr. Frank Jacob (New York) und Prof. Dr. Mario Keßler (Potsdam) in Zusammenarbeit mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung organisiert worden war, standen daher Akteurinnen und Akteure innerhalb dieser Netzwerke des politischen Radikalismus. 

Im ersten Panel widmete sich Lutz HÄFNER (Bielefeld) den russischen Sozialrevolutionären, wobei deren europäische Wahrnehmung und die Verbindungen in die USA, wo regelmäßig finanzielle Unterstützung in Zirkeln russischer Emigranten eingeworben werden konnte,  im Mittelpunkt der Betrachtung standen. Ergänzt wurden diese Betrachtungen im zweiten Vortrag von Felicitas FISCHER von WEIKERSTHAL (Heidelberg), die die Unterstützung russischer Revolutionäre in den USA zwischen 1880 und 1914 analysierte. Während bekannte Werke, wie etwa George Kennans (1845-1924) Arbeiten zum russischen Verbannungssystem, die pro-russische Wahrnehmung der russischen Revolutionsbewegung bedingten, waren es in den Vereinigten Staaten gegründete Vereine und Organisationen, etwa die Society of American Friends of Russian Freedom, die die Sammlung und den Transfer von Geldern zur Unterstützung der Revolutionäre übernahmen. Im Zuge dieser Ereignisse waren es vor allem russische Emigranten, die in den USA derlei Aktionen unterstützten bzw. koordinierten. Reiner TOSSTORFF (Mainz) setzte die Untersuchung der persönlichen transatlantischen Beziehungen mit einem Diskurs der Zusammenarbeit der amerikanischen und deutschen Gewerkschaftsführer Samuel Gompers (1850-1924) und Carl Legien (1861-1920) fort. Zwischen 1896, als Gompers Legien in Europa zum ersten Mal traf, bis zum Ersten Weltkrieg, an dem die Kooperation der beiden Gewerkschafter zerbrach, waren es diese beiden, die eine Annäherung der Gewerkschaften in transatlantischer Perspektive bestimmten. Das erste Panel wurde schließlich von Stefan BRAUN (Bochum) abgeschlossen, der sich der Frage widmete, inwiefern die deutsche Sozialdemokratie als trans-staatliche Gemeinschaft bzw. Identität, die durch das Sozialistengesetz begründet worden war, verstanden werden kann. Dabei argumentierte Braun im Sinne Andersons, dass die gemeinsame Erfahrung von Exil und Unterdrückung zur Etablierung einer imaginierten Gemeinschaft der exilierten Sozialdemokratie führte und der zudem eine messianische Aufgabe (die sich in der Unterstützung der deutschen Sozialdemokraten von außen zeitigen würde) bescheinigt wurde. 

Das zweite Panel behandelte ausgewählte Exilerfahrungen in den USA, wobei Riccardo ALTIERI (Würzburg/Potsdam) die Zeit zwischen 1941 und 1949/50, in der Rosi Wolfstein (1888-1987) und Paul Frölich (1884-1953) in den USA lebten und dort ein transatlantisches Netzwerk zu deutschen Freunden und politischen Weggefährten unterhielten, untersuchte, um die oben bereits angesprochenen Faktoren der Identität im Exil am dezidierten Fall der beiden KPD-Politiker abzuhandeln. Ergänzt wurde diese Perspektive durch den Vortrag von Mario KESSLER (Potsdam), der die amerikanische Periode im Leben Ossip K. Flechtheims (1909-1998) analysierte und neben seinen entscheidenden Arbeiten zur Futurologie auch auf dessen Position innerhalb der deutschen «Exil-Community» in den Vereinigten Staaten diskutierte.

Am zweiten Tag wurden im dritten Panel weitere US-Perspektiven beleuchtet. Während sich Frank JACOB (New York) mit der Geschichte der Autonomen Industriekolonie Kusbass (1920-1926) und der damit verbundenen Werbung von amerikanischen Industriearbeitern auseinandersetzte, um zu zeigen, wie weit die versprochenen Utopien von den realen Gegebenheiten in Sibirien abwichen, stellte Hilary LAZAR (Pittsburgh) die Zeitschrift Man! vor und untersuchte deren Rolle für die Transnationalisierung des amerikanischen Anarchismus. Scott KRAUSE (Chapel Hill/ZZF) schloss das Panel schließlich mit einer Analyse der Genese des sozialdemokratischen Antitotalitarismus nach dem Zweiten Weltkrieg im amerikanischen Exil, wobei er dafür den Zeitraum zwischen 1933 und 1963 eingehender betrachtete und darauf verwies, dass die politische Spaltung der deutschen Linken im Exil bereits die Frontverläufe des Kalten Krieges vorwegnahm. 

Das vierte Panel erweiterte die bisher europäisch-nordamerikanische Perspektive um wichtige Untersuchungen im Hinblick auf Zentral- und Südamerika. Carlo ROMANI and Bruno Corrêa de Sá e BENEVIDES) stellen dazu zunächst die Bedeutung der brasilianischen Netzwerke italienischer Anarchisten in São Paulo zu Beginn des 20. Jahrhunderts vor, wobei besonders das Leben und Wirken Angelo Bandonis (1868-1940) im Fokus stand. James Michael YEOMAN stellte danach die Rolle anarchistischer Publikationen im Zuge der Bauarbeiten des Panamakanals dar, wobei er nicht nur die transatlantischen Faktoren der zirkulierenden Publikationserzeugnisse in diesem geographischen und zeitlich determinierten Raum herausarbeitete, sondern auch die Interrelation zwischen schlechten Arbeitsbedingungen und einem Anwachsen anarchistischer Strömungen in Panama unterstrich. Abschließend referierte Georg LEIDENBERGER (Mexiko-Stadt) über die Rolle des Architekten Hannes Meyer in den Zirkeln kommunistischer Exilanten in Mexiko. Meyer, der als pro-sowjetischer Vertreter zwar zwischen 1938 und 1949 viele andere Exilanten regelmäßig um sich scharte, ging im Gegensatz zu vielen anderen Exilanten davon aus, dass dieselben im Europa der Nachkriegszeit nicht gebraucht würden, weshalb sich Meyer selbst als Neo-Mexikaner verstand. Insgesamt betrachtet konnten die Tagungsbeiträge zeigen, wie vielversprechend transatlantische Untersuchungsansätze im Hinblick auf Studien zum Anarchismus und Sozialismus des 19. und 20. Jahrhunderts sein können, es wurde jedoch gleichfalls offenbart, dass noch viel Forschungsarbeit zu den auf der Tagung behandelten Fragen und den damit verbundenen Themenstellungen geleistet werden kann und muss. 

Text: Frank Jacob (City University of New York)

Program: Transatlantic Anarchists and Socialists in the 19 th and 20 th Centuries

Friday, June 30

  • 10:20 Welcome Notes (Frank Jacob and Mario Keßler)
  • 10:30-12:30 European Perspectives
    Russian Social Revolutionary Terror, European Public, and American Capital (Lutz Häfner, Bielefeld University)
    Supporting Revolution – Russian Revolutionaries and Their Transatlantic Networks (Felicitas Fischer von Weikersthal, Heidelberg University)
    Samuel Gompers – Carl Legien: A Transatlantic “Bromance“ of German and American Union Leaders (Reiner Tosstorff, University of Mainz)
    The German Social Democracy - A Trans-State Community and its Formation during the Anti-Socialist Laws 1878-1890 (Stefan Braun, Bochum University)
  • 14:30-16:30 US Perspectives I
    Damned to Do Nothing – The Transnational Network of Rosi Wolfstein and Paul Frölich in American Exile (1941-1949/50) (Riccardo Altieri, University of Potsdam)
    Ossip K. Flechtheim (1909-1998): Political Scientist and Futurologist between Europe and North America (Mario Keßler, ZZF)

Saturday, July 1

  • 10:00-12:00 US Perspectives II
    Reversed Transatlantic Persperctives: The Kuzbass Autonomous Industrial Colony (1920-1926) (Frank Jacob, City University of New York)
    Man! and the International Group: Transnational Anarchism, International Solidarity, and Depression-Era Ethnic Radicalism (Hillary Lazar, University of Pittsburgh)
    First We Take Manhattan, then We Take Berlin: The Roots of German Postwar Social Democracy’s Antitotalitarianism in American Exile, 1933-63 (Scott Krause, ZZF)
  • 13:30-15:30 Latin and South America
    The Italian Anarchists Network in São Paulo in the Beginning of the 20th Century (Carlo Romani and Bruno Corrêa de Sá e Benevides, University Federal of the State of Rio de Janeiro, Unirio)
    The Panama Papers: Transatlantic Anarchist Press Networks Across Spain and the Canal Zone in the Early Twentieth Century (James Michael Yeoman, University of Sheffield)
    Architect Hannes Meyer and the German-and Italian-speaking Communist Exile-Communities in Mexico (Georg Leidenberger, Universidad Autónoma Metropolitana, Mexico City)
  • 15:45 Final Remarks
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news-37481 Fri, 23 Jun 2017 16:03:24 +0200 Kunst aus der Krise http://bayern.rosalux.de/dokumentation/id/37481/ In Berlin wurde die Ausstellung «Artists in Athens – City of Crisis» eröffnet / Noch bis 13. Juli sind Porträts von 14 KünstlerInnen zu sehen Von Jörg Staude und Henning Heine.

Ein «sehr berührendes Projekt» sei die Ausstellung für sie, erklärte die Vorsitzende der Rosa-Luxemburg-Stiftung, Dagmar Enkelmann, zu Beginn der Vernissage am Berliner Franz-Mehring-Platz 1. Es sei nicht wirklich eine Kunstausstellung, sondern eine über Kunst und vor allem eine über Künstlerinnen und Künstler in Griechenland. Dafür stehen die Vielfalt der auf den Plakaten wiedergegebenen Werke sowie die vielen persönlichen Informationen über die SchöpferInnen der Werke.

Tatsächlich stellt sich das Recherche- und Ausstellungsprojekt «Artists in Athens – City of Crisis» der Frage, wie Krise und künstlerische Produktion einander bedingen. Auf großformatigen Postern werden 14, zumeist in Griechenland lebende GegenwartskünstlerInnen im Alter von 24 bis 72 Jahren porträtiert, die sich abstrakter und gegenständlicher Malerei, Street Art, Bildhauerei, Installationen und Fotokunst widmen. Zu lesen sind Stellungnahmen zu ihrer eigenen Entwicklung und der Entstehungsgeschichte ihrer Werke sowie dazu, wie sich die langjährige Krise des Landes auf ihr Leben und ihr Schaffen auswirkt.

Die 14 gezeigten großen Poster beruhen auf Interviews und Fotodokumentationen, die zwischen Februar und Oktober 2016 erstellt wurden, berichtete Kurator Heiner Legewie auf der Vernissage. Für ihn stehen die Porträts und die künstlerischen Werke auf den Postern in einem schroffen und zugleich fragilen Gegensatz. «Bild- und Textfelder treffen hart aufeinander», beschrieb er.  Auf diese Weise habe die Grafikerin Joana Katte das Krisenthema auch ästhetisch aufgegriffen, würdigte der Kurator die Arbeit.

Wie zwei Feldforscher seien sie, er, Legewie, und der zweite Kurator Georg Eichinger, letztes Jahr in Athen unterwegs gewesen und hätten beim Interviewen und Fotografieren sehr unterschiedliche Künstlerinnen und Künstler kennengelernt. Ihr beider Ansatz sei nicht kunstkritisch, sondern eher ethnografisch, eine Kombination aus sozialwissenschaftlicher Recherche und Fotodokumentation, sagten sie vor den gut 40 BesucherInnen der Ausstellungseröffnung im Foyer.

Das gewählte Ausstellungsformat haben sie, klärte Legewie auf, bereits bei Projekten zur Bürgerpartizipation innerhalb des Themas der «Sozialen Stadt» in den 1990er Jahren entwickelt. Damals hätten sie «Bürgerausstellung» genannt, weil diese Form dem Bürger in der Öffentlichkeit Stimme und Gesicht gibt. Nun seien es Künstlerinnen und Künstler, die als Bürger zu uns sprächen.

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news-37480 Fri, 23 Jun 2017 15:07:37 +0200 «Es geht nicht nur um unsere Interessen» http://bayern.rosalux.de/dokumentation/id/37480/ Hafenarbeiter diskutierten in Hamburg über Globalisierung und Widerstand.

Von Jörn Boewe und Florian Wilde. 

«Wir müssen zusammenstehen, wenn wir gewinnen wollen.» So einfach brachte Ole Nors Nielsen von der dänischen Hafenarbeitergewerkschaft 3F Dockers seine politische Botschaft auf den Punkt.

An die 40 Leute waren der Einladung der Rosa-Luxemburg-Stiftung zur Diskussionsveranstaltung »G20, Globalisierung, Arbeiter_innenwiderstand und der Hamburger Hafen: Transnationale gewerkschaftliche Solidarität in Zeiten der Entsolidarisierung« gefolgt und am 13. Juni in den Hamburger Musikclub Golem gekommen. Auf dem Podium diskutierten Ole Nors Nielsen (3F-Gewerkschaft, Aalborg/Dänemark), Anastasia Frantzeskaki (Hafenarbeitergewerkschaft OMYLE, Piräus/Griechenland) und Matthias von Dombrowski (Hafen Hamburg). Jörn Boewe vom Berliner Journalistenbüro work in progress moderierte den Abend.

Nationalismus, Abschottung und verschärfte Konkurrenz: Das ist die weltpolitische Situation, vor der der G20-Gipfel im Juli in Hamburg stattfindet. Internationale Handelskriege stehen wieder auf der Tagesordnung, die EU bröckelt, Wirtschaftsblöcke, Staaten, Unternehmen und Produktionsstandorte kämpfen mit harten Bandagen gegeneinander. Entsolidarisierung, Rassismus und der Aufstieg des Rechtspopulismus sind die Folgen. Was können die gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten in Europa dieser Entwicklung entgegensetzen? Und welche Rolle können insbesondere die Hafenbeschäftigten dabei spielen? Das waren die Fragen, um die es ging.

Matthias von Dombrowski, Hafenarbeiter und Betriebsratsvorsitzender im Hamburger Hafen, beschrieb die wachsende Macht der Reeder, durch die auch die Hafenumschlagsunternehmen immer stärker unter Druck geraten. Gleichzeitig gebe es einen wachsenden Verdrängungswettbewerb unter den Reedern selbst. Diese setzen auf immer größere Containerschiffe, und dies führt zu einer ständigen Überkapazität in der weltweiten Schifffahrt.

Als größte Gefahr für die Hafenarbeit sah Dombrowski aber die zunehmende Digitalisierung und Automatisierung. Bisher wirken diese sich vor allem auf die Entlohnung der externen Dienstleister im Hafen aus, noch nicht bei den Kernbeschäftigten. Doch auch bei denen ist bereits ein wachsender Druck in Richtung Flexibilisierung der Arbeitszeiten auszumachen.

Anastasia Frantzeskaki aus dem Hafen Piräus, der sich mit einer Privatisierung durch den Verkauf an den chinesischen Cosco-Konzern konfrontiert sieht, schilderte eingangs die Lebensbedingungen in der europäischen Schuldenkolonie Griechenland: Hohe Arbeitslosigkeit, weit verbreitete Armut und zunehmende Prekarisierung. Senkung der Renten, Erhöhung der Versichertenbeiträge, Privatisierung der Rentenversicherung. Erhöhung der Steuern für die Bevölkerungsmehrheit. Teil der von der Troika aufoktroyierten Maßnahmen war auch die Verschlechterungen der Arbeits- und Gewerkschaftsrechte. Während dessen folgte Privatisierung auf Privatisierung: Bahn, Flughäfen und Häfen. Auch die Hafenarbeiter sind von den dramatischen Verschlechterungen der Lebensbedingungen in Griechenland betroffen. Aber sie verfügen weiterhin über starke Gewerkschaften und feste Arbeitsverträge. Diese müssen nun entschlossen gegen den neuen Eigentümer verteidigt werden.

Deutlich anders stellt sich die Situation in Dänemark da, wie Ole Nors Nielsen schilderte. Starken Gewerkschaften gelang es dort, vernünftige Arbeitsbedingungen und kollektive Tarifverträge zu verteidigen. «Warum bin ich dann hier, wenn bei uns die Welt doch noch in Ordnung ist?», fragte Nielsen und lieferte die Antwort gleich mit: «Weil wir Hafenarbeiter in ganz Europa einen gemeinsamen, großen Feind haben: die EU!»

Mehrfach mussten Hafenarbeiter seit der Jahrtausendwende geplante EU-Liberalisierungsmaßnahmen – die berüchtigten «Port Packages» –  zurückschlagen. Obwohl sie darin immer wieder erfolgreich waren, lässt der Druck der EU-Kommission auf die Hafenarbeiter nicht nach. Ziel der Kommission sei gegenwärtig, eine Prekarisierung der Arbeitsbedingungen durch Öffnungen der Häfen für Subunternehmen durchzusetzen. Momentan gibt es vor allem in Spanien Konflikte um diese Fragen. Der Druck der Hafenarbeiter dort zwang die spanische Regierung, sich gegen die EU-Maßnahmen auszusprechen. Mehrfach stimmte das spanische Parlament gegen entsprechende EU-Vorgaben. «Aber die EU ignoriert die Demokratie und demokratische Entscheidungen», betonte Nielsen. «Der große Feind der Arbeiter ist die EU. Erst griffen sie uns in Griechenland an, dann in Portugal, jetzt in Spanien. Irgendwann wird es auch uns in Dänemark treffen. Deshalb müssen wir solidarisch mit unseren Kolleg*innen im Süden sein. Wir müssen gegen die EU zusammenhalten.»

Wie aber, fragte Moderator Jörn Boewe, kann Widerstand in den Häfen unter diesen Bedingungen heute und in Zukunft erfolgreich sein?

Was machbar ist, berichtete der Hamburger Matthias von Dombrowski: Die Kämpfe gegen die Port-Package-Richtlinien konnten deshalb gewonnen werden, weil sie von den Arbeiter*innen gemeinsam – über nationale und Gewerkschaftsgrenzen hinweg – geführt wurden. Jeder machte dabei soviel, wie eben möglich war: Von Lobbyarbeit bis zu militanten Demonstrationen und in einigen Ländern auch politischen Streiks. Diese Erfahrung habe Mut gemacht und die Macht der Hafenarbeiter gezeigt. Das große Problem sei nun aber, dass die Hafenarbeiter unter den Bedingungen der Digitalisierung immer weniger werden. Anders als Ole Nielsen sieht er den Hauptfeind aber nicht in der EU, sondern in den großen Reedereien. «Meine Perspektive ist ein soziales Europa, das die Macht der Reedereien wenigstens begrenzt.»

Durch das Abrutschen Griechenland in einen quasi halbkolonialen Status, habe sich »viel geändert«, betonte Anastasia Frantzeskaki. «Wir kämpfen nicht mehr für höhere Löhne oder kürzere Arbeitszeit, sondern versuchen, grundlegende Rechte gegen die Konzerne zu verteidigen.»  Aber auch dafür brauche es Solidarität. «Wenn wir im Hafen streiken, müssen wir uns darauf verlassen können, dass auch die anderen Häfen in Griechenland lahm gelegt werden.»

Die großen Kämpfe der letzten Jahren waren die gegen die Port-Package-Richtlinien und gegen die Privatisierung von Piräus. «In diesen Auseinandersetzungen lernten wir, dass wir nicht nur die Interessen der Hafenarbeiter selbst verteidigen, sondern die der ganzen Gesellschaft. Und dass wir dafür Bündnispartner außerhalb der Häfen, aus der Zivilgesellschaft, benötigen. So wir öffneten uns und bauten Allianzen auf. Oft stießen wir dabei auf Blockaden bei den Führungen anderer griechischer Gewerkschaften. Wir mussten Wege finden, uns direkt an ihre Mitglieder, unsere Kolleg*innen aus anderen Branchen, zu wenden. Wir haben uns an allen großen Demonstrationen mit eigenen Blöcken beteiligt, bei denen unsere Kolleg*innen in ihrer Arbeitskleidung auftraten, und gegen die Privatisierung des Hafens agitiert. Wir haben dabei gefordert, dass über die Zukunft des Hafens nur die lokale Zivilgesellschaft, die Anwohner und ihre Organisationen, entscheiden dürfen.»

Nach der Kapitulation SYRIZAs vor der Troika habe sich in der Gesellschaft ein Gefühl des Schocks und der Depression ausgebreitet. In diesem Kontext gelang es nicht mehr, einen gemeinsamen Kampf von Gewerkschaften und Zivilgesellschaft zu führen. Die Solidaritätsstrukturen zerfielen, die Hafenarbeiter sind nun wieder auf sich selbst gestellt. Ihre Auseinandersetzungen drehen sich nun wieder ganz um die Verteidigung ihrer Arbeitsrechte und Tarifverträge gegen den Investor.

Ole Nielsen stimmte Matthias von Dombrowski zu, dass die Reedereien zu den großen Feinden der Arbeiter gehören. «Aber sie können nur auf diese Weise agieren, weil die Liberalisierungspolitik der EU ihre Macht immer weiter wachsen lässt.» In Dänemark sei immer noch jeder Hafenarbeiter in der Gewerkschaft. Diese Macht versuchen sie, auch für Kolleg*innen in anderen Ländern einzusetzen. So hat die 3F eine große Solidaritätskampagne mit lateinamerikanischen Hafenarbeitern organisiert und Druck auf den in Dänemark beheimateten Maersk-Konzern ausgeübt, die Gewerkschaftsrechte dort zu respektieren. «Wir haben zwei Feinde», so Nielsens Fazit: »Die EU, und die Reeder. Sie stehen zusammen. Genauso müssen wir Arbeiter zusammenstehen, wenn wir gewinnen wollen.»

Die Veranstaltung wurde gefördert durch die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung.


Zur Ankündigung

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news-37586 Sat, 17 Jun 2017 19:00:00 +0200 Digitale Revolution – wer sagt, wo‘s langgeht? http://bayern.rosalux.de/dokumentation/id/37586/ Angeregte Diskussion auf Fachtagung von Rosa-Luxemburg-Stiftung, IG Metall und ver.di am 17. Juni in Frankfurt a. M. Einblicke aus Wissenschaft, Gewerkschaften und Betrieben ausgetauscht.

65 Leute füllten den Willi-Bleicher-Saal im Frankfurter Gewerkschaftshaus am 17.Juni 2017 – gewerkschaftliche Aktive aus Betrieben, WissenschaftlerInnen und FunktionärInnen aus den Gewerkschaftszentralen. »Digitale Revolution – wer sagt, wo‘s langgeht?«, war der Titel der Konferenz, zu der RLS, IG Metall und ver.di eingeladen hatten. Damit war schon mal angedeutet, »dass nicht alles konfliktfrei läuft und auch etwas mit Machtstrukturen zu tun hat«, wie Sabine Pfeiffer, Soziologieprofessorin an der Uni Hohenheim, in ihrer Keynote betonte.

Wenn seit einem halben Jahrzehnt in Deutschland kaum eine wirtschaftspolitische Debatte ohne den Verweis auf »Industrie 4.0« auskommt, sei das nicht zuletzt einem professionellen Agenda-Building von Think-tanks wie dem World Economic Forum oder PR-Agenturen wie Roland Berger geschuldet, so Pfeiffer. Letztere hätten sogar die entsprechende Road Map für die Politik formuliert. Der Staat soll in diesem Szenario vor allem:

  • das Thema in den Köpfen verankern,
  • die nötige Infrastruktur bereitstellen (Breitbandausbau),
  • politische Plattformen zur Vernetzung von Akteuren schaffen,
  • für die Deregulierung von Arbeit sorgen.

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news-37497 Tue, 13 Jun 2017 11:18:00 +0200 Interview with our partner organisation CARES from Mauritius http://bayern.rosalux.de/dokumentation/id/37497/ Global climate change, climate justice and the COP23 summit Mauritius is well known for being one of the tropical tourist paradises with white beaches, blue water and a sun that seems to shine all day long. But this small island in the Indian Ocean is also one of the countries directly affected by the impacts of climate change: The number of flashfloods and hurricanes has risen, as well as the sea-level did. This environmental crisis is not a local phenomenon, but part and result of global climate change where the least responsible are the most affected. 

Following the principles of climate justice Rosa-Luxemburg-Stiftung is supporting the Center for Alternative Research and Studies on Economic, Social and Environmental Issues (CARES) in their work to develop with the “School of Ecology” a coherent network of social movements, academics and alternative political movements in the region. They are analyzing this ecological and climate crisis as product of the system of capitalism and develop a red-green response  and promote alternatives to this current crisis.

We met Ashok Subron, President of CARES, in Berlin and talked with him about his work and the last COP 22 in Marrakesh  when his colleague realized that the devil was sitting on the table, ignoring the demands of the people of the Global South for a mechanism of climate debt.  Apart from supporting the demands of the people from the Global South he wishes that the global North is not trapped in a green economy because the mode of production and distribution needs to be a social one. In working for that he also expects the movements of climate justice to include the concept of Nature Rights where there are a lot of important experiences in different parts of the world, that should be included in a new movement. 

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news-37498 Mon, 12 Jun 2017 12:31:00 +0200 Geschlechterverhältnisse und Reproduktion in Marx' Kapital http://bayern.rosalux.de/dokumentation/id/37498/ «Luxemburg Lecture» von Silvia Federici Marx thematisiert Geschlechterverhältnisse und Familie im Kapital im Kontext seiner Analyse der Ausbeutung weiblicher Arbeitskraft innerhalb der  kapitalistischen Organisation der Arbeit. Gleichwohl hat Marx keine «Gender»-Theorie entwickelt, und seine Untersuchungen zu sexuellen und Geschlechterverhältnissen im Kapitalismus haben die historische Transformation, die sich zu seiner Zeit vollzog, nicht ausreichend berücksichtigt.

Trotzdem sind Marx’ Schriften ein wichtiger Beitrag zu unserem Verständnis der Funktion von Geschlecht in der kapitalistischen Gesellschaft. Zentrale Einsichten finden sich allerdings weniger dort, wo Marx sich explizit über Geschlechterfragen äußert. Vielmehr sind es seine Theorie der historischen Transformation sowie seine Analyse der Mechanismen kapitalistischer Akkumulation und Ausbeutung, die uns beim Verständnis der Geschlechterverhältnisse unterstützen können.

Silvia Federici, italienisch-amerikanische Feministin, wurde durch ihre Verknüpfung von marxistischer Kritik und feministischer Analyse bekannt. Ihre bekannteste Arbeit, Caliban und die Hexe: Frauen, der Körper und die ursprüngliche Akkumulation, untersucht die kapitalistische Rationalisierung der sozialen Reproduktion.

Moderation: Antonella Muzzupappa

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news-37450 Wed, 07 Jun 2017 15:55:00 +0200 Ecofeminism as Politics http://bayern.rosalux.de/dokumentation/id/37450/ Luxemburg Lecture by Ariel Salleh Ariel Salleh is an internationally well-known Australian activist, theorist and teacher in the field of eco-feminism. As an early eco-socialist formulation, her embodied materialism emphasises the political economy of reproductive or regenerative labor with regard to global scale. By restoring value to local everyday care giving and indigenous livelihood skills, she re-orients social justice and sustainability debates on water, climate, and the neoliberal green economy. Her critique of anthropocentrism in combination with eco-socialist, feminist and decolonialized perspectives pushes analytically and politically thrilling new perspectives. Her lecture was held on basis of her newly re-edited book Ecofeminism as Politics, where she offers an integrative understanding of our world, its multiple processes and crises, and possibilities for change in the post-development era.   

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