21. November 2018 Diskussion/Vortrag Kurt Eisner als Revolutionär und Pazifist

Begleitprogramm zur Eisner-Ausstellung im Rathaus

Information

Veranstaltungsort

Münchner Rathausgalerie | Kunsthalle (ehemalige Kassenhalle)
Marienplatz 8
80331 München

Zeit

21.11.2018, 19:00 - 21:00 Uhr

Themenbereiche

Deutsche / Europäische Geschichte, Revolutionen100

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Im revolutionären Herbst des Jahres 1917 gelangten in Russland und dem, was später die Satellitenstaaten der Sowjetunion sein sollten, die Bolschewiki an die Macht. Eine der wichtigsten Handlungen des geistigen Führers der Partei – Wladimir I. Lenins – war die Beendigung des Weltkrieges für seine Bevölkerung gelungen. Doch der Friede von Brest-Litowsk barg eine fürchterliche Gefahr für die im Konflikt verbliebenen Gegner der Mittelmächte. Durch das Freiwerden Tausender deutscher Soldaten an der Ostfront schien es, als könnte die deutschen Heere im Westen endlich die Oberhand gewinnen – für Kurt Eisner eine „entsetzliche Kriegsverlängerung“.

Der inzwischen in die Jahre gekommene Sozialist war schon seit 1914 überzeugter Pazifist, wenngleich er in der Julikrise 1914 noch der wilhelminischen Propaganda unterlag und Russland als Agent Provocateur betrachtete. Doch etwa zeitgleich mit der Einsicht Karl Liebknechts, dass der Fraktionszwang der Reichstags-SPD ihn nicht länger von der richtigen Entscheidung abhalten durfte, entschied sich auch Eisner für den Frieden und gegen den Krieg. Was man in der Folge politisch aus ihm machte, kann man als Agent des deutschen Untergangs beschreiben – zumindest, wenn man den infamen Lügen der kriegsbefürwortenden Agitatoren Glauben schenkte.

Eisner sah sich in den Jahren des Ersten Weltkriegs zahllosen antisemitischen Anfeindungen ausgesetzt. Politische Gegner kamen vom rechten Flügel der SPD, aus dem Lager der Liberalen, der Konservativen, der Nationalen, der Kirchen, des Militärs und der Bourgeoisie. Und selbst Rosa Luxemburg war der Auffassung, „dem Kurt muss man mal richtig auf den Kopf hauen.“ Wie gelangte ausgerechnet dieser scheinbar vielfach verpöhnte Politiker in Bayern schließlich in Amt und Würden?

Nach dem Januarstreik 1918, einem der intensivsten und erfolgreichsten Widerstandsproteste gegen den Krieg, wurde Eisner ebenso wie einige seiner wichtigsten Anhänger für den Rest des Krieges ins Gefängnis gesperrt. Als man ihn wieder befreite, gelang ihm innerhalb kürzester Zeit ein Coup d'état – jedoch nicht im putschistischen Sinne, denn Gewalt wandte der friedliebende Sozialist zu keinem Zeitpunkt an.

Wenn auch Bayern zu diesem Zeitpunkt noch sehr losgelöst von den reichsweiten Ereignissen war, schuf Eisner als Erster eine radikaldemokratische Regierung – basierend auf Arbeiter-, Bauern- und Soldatenräten. Während der König heimlich, still und leise die Residenz verlassen hatte, zog Eisner friedlich durch Münchens Straßen. Hunderte von Demonstranten im Rücken, überzeugte er die bewaffneten Militärs zur Umkehr und etablierte eine neue Regierung. Kurze Zeit später wurde der noch heute existente Freistaat Bayern ausgerufen – Bayern war erstmals die Befreiung vom Monarchismus gelungen.

Riccardo Altieri promoviert an der Universität Potsdam und ist Autor des Buches „Der Pazifist Kurt Eisner“ (Hamburg 2015).

Die Veranstaltung findet im Rahmen der "7. November 1918: „Die Freiheit erhebt das Haupt" Gründung des Freistaats Bayern Kurt Eisner 1. Bayerischer Ministerpräsident" statt, die vom ver.di Kulturforum organisiert wird. Der KEV ist bei beiden Veranstaltungen Kooperationspartner.   

Standort

Kontakt

Julia Killet

Regionalbüroleiterin Bayern, Rosa-Luxemburg-Stiftung Bayern/Kurt-Eisner-Verein

Telefon: +49 (0)89 51996353