Feature | Sozialökologischer Umbau - Klimagerechtigkeit Das Sterben der Gletscher

Klimawandel in den Alpen aus eigenem Erleben - ein Bericht von Uwe Witt

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Uwe Witt,

Eisbrüche am Oberaargletscher. Zu sehen sind zwei Personen auf dem Gletscher vor einem Eis-Abbruch.
Eisbrüche am Oberaargletscher.CC BY-NC-ND 1.0, Bild: Franz Waser, Uwe Witt

Blatten? Der Name des Ortes mit dem verheerenden Bergsturz vom Frühjahr kam mir beim Nachrichtenhören irgendwie bekannt vor. Natürlich, er war Ausgangs- und Endpunkt einiger Gletschertouren, die ich vor etlichen Jahren absolviert hatte! Das schöne Dorf mit seinen uralten Gebäuden ist nun unter neun Millionen Kubikmetern Geröll und Eis begraben, die sich bis zu 100 Meter hoch über ihm türmen. 

Uwe Witt hat Volkswirtschaft studiert und arbeitet bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung als Referent für Klimaschutz und Strukturwandel. Er arbeitete zuvor lange Jahre als Mitarbeiter einer Abgeordneten beziehungsweise als Referent für Klima und Energie in der Bundestagsfraktion DIE LINKE. Zudem war er mehrere Jahre als Journalist tätig. Er lebt in Berlin.

Blatten ist der hinterste Ort im Lötschtal, drei Kilometer vor der Fafleralp. Das abgelegene Tal wurde verkehrstechnisch recht spät angeschlossen an die moderne Schweiz. Noch heute ist der Tourismus überschaubar, bekannt vor allem durch die riesigen furchteinflößenden Masken aus Arvenholz und die Fell-Umhänge, die Tänzer zur Tschäggättä an Fasnacht herumtragen, um mit großen Kuhglocken die Geister des Winters zu vertreiben. Bergwanderer brauchen irgendwann Eisausrüstung, also Steigeisen, Pickel und Seil, um weiter nach oben zu kommen. 

Bei meiner ersten Gletschertour Anfang der 90er Jahre waren Fafleralp und Blatten Endpunkte einer Überschreitung des Petersgrads vom nordwestlich gelegenen Kanderfirn her. Start war hier Kandersteg im Nachbartal – ein Ort, der aktuell vor einem Bergsturz beziehungsweise Murgängen (Schlammlawinen) bangt, genauso wie das kürzlich komplett geräumte 150 Kilometer entfernte Alpendorf Brienz in Graubünden. 

Bei dieser ersten Tour in einem deutsch-schweizer Team lehrte mich Franz Waser, ein Eidgenosse (und wie sich später herausstellte, altes Mitglied der Partei der Arbeit), die Grundlagen von Seil- und Rettungstechnik, das Gehen mit Steigeisen im steilen Eis, wie man sicher über Gletscherspalten springt und vieles mehr. Mit geschickter Routenführung brauchte man nur wenige dieser Sprünge, an die man sich erst gewöhnen muss. Damals waren auch im Sommer viele Spalten-Zonen von stabilen Schneeschichten überdeckt, die begehbar waren. Bei meiner letzten großen Gletschertour in den Walliser Alpen im Jahr 2007 sah das - klimawandelbedingt - bereits anders aus, weshalb ich über sie ein wenig ausführlicher berichten will. 

Was diese Tour besonders machte, ist zunächst die Länge des Weges, den man ununterbrochen auf dem Eis zurücklegt: Trotz etlicher Gletschertouren zuvor war ich überrascht, dass man in Europa ganze fünf Tage lang ohne in Täler abzusteigen über Gletscher kraxeln kann. Wir - eine Truppe aus anfangs drei Schweizern und zwei Deutschen - waren in dieser Zeit vom Lötschental bis zum Grimselpass rund 56 Kilometer unterwegs, davon zirka 42 zusammenhängend auf Eis.

Als wir damals in der letzten Juli-Woche 2007 von der Fafleralp starten, scheint über dem lieblichen, verschlafenen Lötschental mit seinen uralten Holzhäusern strahlend die Sonne. Das Wetter sollte sich kaum ändern. Der Aufstieg nach Osten über den teils steilen Langgletscher ist mit knapp 1.500 Höhenmetern anstrengend, aber eindrücklich. Im Norden hängen Eisbrüche an den Hängen, rechts sind die Wände voll frischem Schnee, der im oberen Teil auch den Gletscher selbst bedeckt. Mitte der 90er Jahre hatte ich mich hier mal mit meinem Berliner Freund Klaus in umgekehrter Richtung und bei Schneetreiben in einem Kreuzspaltengebiet verfranst. Am Ende sind wir rittlings auf irgendwelchen Eisrippen herumgerutscht bis wir wieder festen Tritt hatten. 

Diesmal geht in der Seilschaft alles problemlos und wir beziehen am Nachmittag die Hollandiahütte in 3240 Meter Höhe, welche direkt oberhalb der Lötschenlücke liegt – der Übergang zum legendären Konkordiaplatz. 

Dieser legendäre Platz, den wir am nächsten Vormittag nach Besteigung eines Gipfels (Äbeni Flue) erreichen, ist kein dörfliches Pflaster mit Springbrunnen, sondern ein einsames gigantisches Eisfeld in Rund 2700 Metern Höhe, an dem sich vier Gletscher zum Großen Aletschgletscher vereinigen. Sie fließen von den drumherum aufragenden Viertausendern (u.a. Jungfrau, Mönch, Fietscherhorn, Grünhorn, Aletschhorn) herab, und bilden den mit rund 15 Kilometer Länge längsten Gletscher der Alpen.

Nichttragende Schneebrücken sind im Prinzip seit jeher normal, man sollte sie erkennen und umgehen. Beunruhigend ist vielmehr, dass man sich heute bei vielen klassischen Touren nicht mehr darauf verlassen kann, dass jene von diesen natürlichen und auf Verwehungen oder Altschnee basierenden Spalten-Übergängen, die augenscheinlich begehbar aussehen, wirklich halten.

Am etwa 1,5 mal 2,5 Kilometer großen Konkordiaplatz ist das Eis bis zu 900 Meter dick. Der Weg zu diesem riesigen Gletscherfeld führt uns von der Lötschenlücke über den Großen Aletschfirn, einem der Nährgletscher des Aletsch. Bei meiner etwas verkorksten Tour Mitte der 90er Jahre durfte ich hier das erste Mal eine Gletscherspalte von innen betrachten. Glücklicherweise hatte mich mein Tourenpartner Klaus gleich straff am Seil, nachdem die Schneebrücke brach. Schon nach knapp zwei Metern Kurzsturz konnte ich so meine Steigeisen in die Eisflanken rammen. 

Nichttragende Schneebrücken sind im Prinzip seit jeher normal, man sollte sie erkennen und umgehen. Beunruhigend ist vielmehr, dass man sich heute bei vielen klassischen Touren nicht mehr darauf verlassen kann, dass jene von diesen natürlichen und auf Verwehungen oder Altschnee basierenden Spalten-Übergängen, die augenscheinlich begehbar aussehen, wirklich halten. In diesen Höhen startete man früher nicht deshalb schon morgens um vier von der Hütte zum Gipfel, weil die Zeit mit Abstieg bis zum Abend knapp werden könnte. Vielmehr war das Ziel, vormittags wieder unten zu sein. Die Sonne hatte bis dahin Eis und Firn noch nicht weichgemacht. 

Das ist nun an vielen ausgesetzten Stellen anders. Die klimawandelbedingt höheren Durchschnittstemperaturen und die ohnehin geringere Schneedecke bescheren den Berggängern fragile Übergänge an Stellen, die einst als sicher galten. Irgendwann Ende der 2000er Jahren erwischte es unsere Truppe beispielsweise beim Abstieg vom Piz Kesch (3418 m). Die schützende Hütte schon in Sicht, stellte sich ein großes Schneefeld, über welches wir Jahre zuvor problemlos spaziert waren, als Überdeckung eines tiefen Spaltensystems heraus, durch die einige von uns (ich ebenfalls) mit einem Bein bis zur Hüfte einbrachen, teils mehrfach. Eine ziemlich beschissene Situation, da man strampeln und sich kraftvoll abdrücken muss, um sich aus dieser Lage zu befreien. Geht’s jetzt gänzlich in den kalten dunklen Schlund, oder komme ich raus? Für letztes muss ich mich stärker abdrücken …

In den Alpen fällt der menschengemachte Temperaturanstieg in den letzten 100 Jahren fast doppelt so hoch aus wie die globale Durchschnittserwärmung. Wir reden also über rund 3 °C plus, die den Bergen, der Natur und den Menschen zu schaffen machen. Laut einem Bericht der Schweizer Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) müssen Tiere und Pflanzen jedes Jahrzehnt etwa 60 bis 70 Höhenmeter wandern, um unter gewohnten Bedingungen weiter leben zu können. Besonders viele Höhenmeter legten Schmetterlinge, Reptilien, Bäume und Sträucher zurück. Pro Jahrzehnt schafften sie rund 33 Meter. Viel langsamer wanderten Vögel, Farne und holzzersetzende Pilze mit weniger als 15 Höhenmetern pro Jahrzehnt, so das WSL. Etliche andere Organismen dürften mit dem Wandel schlicht überfordert sein.

Staat versichert effizienter

„Mehr Staat ist oft effizienter als mehr Privat“, titelt das Schweizer Gewerkschaftsportal workzeitung.ch. Im verschütteten Blatten seien die Versicherungsprämien doppelt so hoch gewesen wie in Kandersteg im Nachbartal, das aktuell von Murgängen bedroht ist. Die preiswertere bernische Gebäudeversicherung dort investiere zudem mehr als 50 Prozent ihrer Einnahmen in die Prävention von Gebäudeschäden. Ganz anders die für Blatten zuständige privaten Versicherungen im Kanton Wallis: Sie investiere „keinen roten Rappen“. In Kandersteg seien alle Gebäude zum Neuwert versichert, in Blatten nur ein Teil der Gebäude. In den letzten Jahrzehnten hätten die Walliser Linken immer wieder eine staatliche Gebäudeversicherung gefordert.

Auf dem Konkordiaplatz gibt es kaum Flora und Fauna, dafür aber bizarre Eigentümlichkeiten. Beispielsweise kleinere Flüsse, die plötzlich in gurgelnde Gletschermühlen stürzen und in unteren Abschnitten wieder aus dem Eis austreten. Oder auch die Konkordiasümpfe im Übergang zum Aletschfirn, wo bei entsprechendem Wetter auf dem Gletscher ein gefährlicher überfrorener Brei aus Wasser und Eis schwimmen kann, in den man besser nicht einbricht. Vor allem aber gibt es dieses grandiose Gefühl, fern jeder Zivilisation in einem Schneekessel umrahmt von Gipfeln zu stehen und fast einen Kilometer Gefrorenes unter den Füßen zu haben.

Nach einigem Suchen können wir die „Sümpfe“ umgehen und kreuzen den Aletsch weiter Richtung Osten hinauf zum Grineggfirn. Über uns die Konkordiahütte in 2.850 Meter Höhe. Sie hat einigen Ruhm wegen ihres schwindelerregenden Zustiegs. Und der ist eine Folge des Klimawandels. Einst 50 Meter über dem Gletscherrand gebaut hängt die Hütte nun knapp 200 Meter über dem abgeschmolzenen Eis. Bestiegen werden kann sie nur über einen Zickzack von Stahlleitern am senkrechten Fels.

Nicht nur der Gletscherfluss, sondern auch die Gletscherschmelze in Folge der Erderwärmung verändert beständig das Eis. Selbst sicher geglaubte Wege können so zu tödlichen Fallen werden. So geschehen nur einen Tag, nachdem wir die Konkordiahütte passierten. Ausgerechnet der Präsident des Internationalen Bergführerverbandes (IVBV), der Franzose Claude Rey, stürzte dort unweit der Treppenbasis rund 30 Meter tief in eine Gletscherspalte und starb an seinen Verletzungen. Rey war mit einer Fünfergruppe über die Stahltreppen von der Hütte auf den Gletscher hinuntergestiegen. Nahe des Gletscherrands überquerte er als letzter ein oft begangenes und ewig als sicher geltendes Schneefeld, als der Firn unter ihm einbrach. Die Gruppe wollte sich nur wenige Meter weiter anseilen – ein wegen Steinschlaggefahr dort seit Jahrzehnten übliches Verfahren. 

Wir wissen an diesem Tag von alldem nichts. Für uns geht es erst einmal weiter hinauf. Im unteren Teil des Grineggfirns balanciert ein Felsblock in Kleinbusgröße auf einem schmaleren Eissockel (siehe Foto). Solche „Pilze“ sieht man oft, wenn auch meist viel kleiner. Solch einen gestürzten Koloss hatte ich zuvor noch nie auf dem Eis liegen sehen. Möglich, dass die Erwärmung damit zu tun hat, denn sie lässt zunehmend den Permafrost im Fels auftauen, der den äußeren Berg bis in tiefe Bodenschichteten wie Kitt zusammenhält. Immer wieder auftauendes und gefrierendes Wasser in Gesteinsspalten sprengt irgendwann jeden Felsen, ein Wasser-Sand-Gemisch wird zudem zur Schmierschicht. Laborversuchen haben ergeben, dass dies für Felsformationen mit Stabilitätsverlusten von bis zu 80 Prozent einhergehen kann.

Unser riesiger Stein schützt seinen Schaft aus Eis durch seinen Schatten vorm Schmelzen. Oben auf dem Brocken steht ein Schild, welches irgendwer mal in den an seinem Ursprungsort in den Fels gerammt haben muss. Eigentlich wollen wir hinaufklettern, um zu sehen, was da geschrieben steht. Gut, dass wir es gelassen haben. Denn am Abend in der Hütte wird uns ein anderer Eiswanderer berichten, dass der Tonnen schwere Koloss just in jenem Moment krachend von seinem Sockel zur Seite rutschte, als dieser das Ding gerade hinter sich ließ.

Über den Grineggfirn und Grünhornlücke geht es erst hinauf und dann hinab zum Fieschergletscher. Er ist in diesem Teil komplett schneebedeckt, und dieser Umstand produziert bei tagelangen höheren Plusgraden und Sonnenschein, wie sie nun immer häufiger auftreten, ein mulmiges Gefühl. Tatsächlich verschwindet gelegentlich ein Bein oder Fuß in einer verwehten unsichtbaren Spalte. Gut, dass wir weiterhin am Seil gehen.

Nicht nur der Gletscherfluss, sondern auch die Gletscherschmelze in Folge der Erderwärmung verändert beständig das Eis. Selbst sicher geglaubte Wege können so zu tödlichen Fallen werden.

Ebenso eindrücklich ist der Marsch nach einer Hüttenübernachtung am nächsten Morgen nach Südosten über den nunmehr stark zerklüfteten Fieschergletscher hinab zum Rotloch. Es ist ein permanentes Suchen, Spaltenspringen und Balancieren über komplexe Passagen. Da der Gletscher hier aber weitgehend „aper“ ist, wir also nur blankes Eis ohne Schnee unter den Steigeisen haben, ist der sportlichste Teil der Tour auch der sicherste. Man sieht schlicht, wohin man tritt und springt. Insofern liefert die Erderwärmung für Gletschergeher sicherheitstechnisch zwei gegensätzliche Veränderungen. Wo im Sommer heute noch Deckschnee über Spalten liegt, wird es unsicherer, und wo er im Gegensatz zu früher fehlt, hat man besser Übersicht.

Nach einer weiteren Übernachtung auf der Oberaarjochhütte und kleineren Gipfelbesteigungen nehmen wir den etwa sieben Kilometer langer Abstieg über den (ebenfalls spalten- und wasserreichen) Oberaargletscher bis zum Grimselpass. Hier endete unsere damalige Eistour.

Alpengletscher haben seit 1850 etwa ein Drittel ihrer Fläche und die Hälfte ihrer Masse verloren. Allein der Große Alteschglescher verlor 1,3 Kilometer an Länge. Laut einer Studie, die im Fachjournal "Science" veröffentlicht wurde, werden selbst im günstigsten Fall weltweit fast 50 Prozent der rund 215.000 berücksichtigen Gletscher bis 2100 schmelzen – wenn der Temperaturanstieg auf 1,5 Grad begrenzt wird, was derzeit illusorisch scheint. Ausgehend von den mangelhaften Klimaschutzzusagen der UN-Klimakonferenz COP26 in Glasgow im Jahr 2021, auf deren Grundlage ein Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur um 2,7 Grad bis Ende des Jahrhunderts prognostiziert wurde, würden die Gletscher in vielen Regionen nahezu ganz verschwinden. Dazu zählt die Studie jene der europäischen Alpen, im westlichen Kanada, den Vereinigten Staaten sowie Neuseeland. Zur alltäglich Frage über Leben und Tod könnte der Gletscherschwund insbesondere in Asien werden. Denn er bedeutet sinkende Süsswasserressourcen regional und einen steigenden Meeresspiegel global.

Angesichts all dessen scheint folgende Frage banal und nachrangig, für die Kulturgeschichte Europas und das Leben in den Alpenländern aber dürfte sie von Bedeutung sein: Werden unsere Enkelkinder die Wunderwelt der Gletscher noch live erleben können, wie es uns heute noch vergönnt ist? Oder werden einst nur graue, schuttversetzte Eisklumpen übrig sein, die in schattigen Hängen kleben? Und werden die wachsenden Risiken auf dem Weg in Zukunft Begehungen überhaupt noch erstrebenswert machen? 

An letztes musste ich denken, als ich mit einem befreundeten Kollegen 2023 eine Alpenüberquerung absolvierte. Gewaltige Sturzfluten hatten kurz zuvor Teile unseres Weges in den Dolomiten verwüstet. Zudem fehlte im monumentalen Marmolata-Gletscher-Massiv ein riesiger Eishang, wie wir von einem lieblichen Wiesenhang gegenüber aus sehen konnten. Im Sommer des Vorjahres brach er als Eislavine ab, weil sich durch extrem hohe Temperaturen ein See im Gletscherhang gebildet hatte. Das verheerendes Gemisch aus Wasser, Eis und Gestein raste ins Tal und riss elf Bergsportler in den Tod, acht wurden verletzt. Der Bergsturz von Blatten im Juni holt für mich dies alles wieder hoch.

Natürlich, verheerende Bergstürze gab es schon vor der Erderwärmung. Mein Schweizer Freund Franz hatte uns schließlich in einem Sommer auch auf die Schutthalde des Bergsturzes von Derborence geführt. Im Jahr 1714 begrub dieser dort 15 Menschen, 40 Chalets und 180 Kühe unter sich. Der Schriftsteller Charles-Ferdinand Ramuz setzte der Tragödie mit einer Novelle ein Denkmal. Auch ist eher unwahrscheinlich, dass der verheerendste Bergsturz der jüngeren europäischen Geschichte am norditalienischen Stausee von Vajont im Jahr 1963, dessen Flutwelle das Leben von fast 2.000 Menschen auslöschte, auf das Konto der Erderwärmung ging.

Dennoch werden Bergstürze klimawandelbedingt viel wahrscheinlicher, weil sich (wie erwähnt) mit dem schmelzenden Dauerfrostboden zunehmend jener natürliche Zement auflöst, der in höheren Lagen viele Gesteinsformationen zusammenhält. Dieser beschleunigte Zerstörungsprozess ist leider genauso sicher wie dass die Gletscher weitgehend verschwinden werden, wenn nicht radikal umgesteuert wird. Jedes mit wirklichem Klimaschutz verhinderte Zehntelgrad Erwärmung kann helfen, diese Prozesse wenigstens abzubremsen.

Der Routenverlauf bei Google-Pedometer im Internet:  www.gmap-pedometer.com/?r=1203202