Nachricht | Klima und Kapitalismus - linke Antworten

Neues Projekt im Kurt-Eisner-Verein

Vor 60 Jahren erschien das Buch Silent Spring der amerikanischen Biologin Rachel Carson, die darin das Artensterben beschrieb. Es gilt als eines der Gründungsdokumente der Umweltbewegung. Seitdem haben mehrere Generationen von Aktivist*innen gegen ökologische Verwüstungen gekämpft, manchmal mit Erfolg. Dennoch schreitet die Zerstörung voran, weil die Logik des Kapitals gebietet, dass der Warenberg unendlich wächst, und der Staat diesen Prozess garantiert.

Nach drei Jahren Protest von Fridays for Future und anderen Gruppen sowie angesichts der gewaltigen Waldbrände und Überschwemmungen in vielen Teilen der Erde scheint das Bewusstsein über die Klimakrise und ihre fatalen Auswirkungen in der Gesellschaft angekommen zu sein. Allerdings gab es schon früher immer wieder mal eine größere öffentliche Aufmerksamkeit für Umweltfragen, ohne dass sich Entscheidendes geändert hätte. Dabei hat der jüngste Bericht des Weltklimarates einmal mehr gezeigt, wie dramatisch die Lage ist. Weit verbreitet ist jedoch der Glaube an einen fairen, grünen Kapitalismus, die illusionäre Versöhnung von Ökonomie und Ökologie durch einen Green New Deal, aber auch ein Gefühl der Ohnmacht.

Wir wollen uns deshalb mit grundsätzlichen Fragen beschäftigen.

  • Warum sind Kapitalismus und Umweltschutz unvereinbar?
  • Warum funktioniert Kapitalismus nicht ohne Wachstum?
  • Warum sind Lohnabhängige an dieses System gekettet?
  • Warum sind nicht alle gleichermaßen schuld am Umweltkollaps und von den Folgen unterschiedlich betroffen?
  • Wie könnte eine Gesellschaft aussehen, in der der Stoffwechsel mit der Natur rational geregelt ist, statt blindwütig und destruktiv abzulaufen?

Vor allem aber: Durch welche Strategien, welche Methoden, welche Vorgehensweisen und welche Forderungen ließe sich die Gesellschaft verändern? Denn es bedarf eines Bruchs, einer grundlegenden Veränderung und diese muss von einer Mehrheit gewollt und erkämpft werden, sonst würden neue autoritäre Strukturen entstehen.

Wir wollen uns mit verschiedenen zentralen Fragen aber auch neuen und historischen linken Ansätzen zur Umweltfrage auseinandersetzen (Öko-Anarchismus, Ökosozialismus, Ökomarxismus, Postwachstum und Kommunalismus), sie kritisch diskutieren und sichten, was heute im politischen Handgemenge brauchbar ist.

Gedacht ist an ein längerfristiges Projekt. Wer mitmachen will, ist herzlich eingeladen. Die Themen, den Turnus und die Form der Treffen wollen wir bei einer ersten Zusammenkunft am Donnerstag, 2. Dezember, 19 Uhr, im Büro des Kurt-Eisner-Vereins, Westendstraße 19, 80339 München gemeinsam besprechen. Anmeldung unter: peterbierl@gmx.de

Organisiert von Peter Bierl und Moritz Tille, Mitglieder des Kurt-Eisner-Vereins